Netzhaut

Informationen zu Netz- und Hornhauterkrankungen

Die Netzhaut ist ein Teil des Gehirns, also eine Ausstülpung des Gehirns in den Augapfel. Sie ist transparent und verletzlich. Sie besteht aus einem kleinen Zentrum, der Makula, mit der wir Lesen. Nur im Zentrum ist das Auflösungsvermögen so hoch, dass wir damit Lesen können. Außerhalb des Zentrums sehen wir nur mit 1/10 des zentralen Auflösungsvermögens, dafür können wir mit der Peripherie besser im Dunkeln sehen. Die häufigsten Netzhauterkrankungen sind: Der Pucker (epiretinale Gliose), das vitreo-makuläre Traktionssyndrom, das Makulaloch (Makulaforamen), die altersabhängige trockene und feuchte Makuladegeneration, die diabetische Retinopathie, die hypertensive Retinopathie, der retinale Venenverschluss (venöse retinale Obstruktion), der retinale Arterienverschluss, die Netzhautablösung (Amotio), die peripheren äquatorialen Netzhautdegenerationen.

Die Netzhaut kleidet das Innere des Auges, den Augenhintergrund, wie eine Tapete aus. Auffällig sind auf dem Bild die roten Blutgefäße und der gelbe Sehnervenkopf, in den die Blutgefäße zusammenlaufen. Im Zentrum, links neben dem gelben Sehnervenkopf, befindet sich das leicht rötliche Sehzentrum, die Makula. Ein Ring feinster kristalliner Drusen kreist die Stelle des schärfsten Sehens ein. Erkrankungen der Makula werden oft mit „Verzerrtsehen“ oder „Grausehen“ wahrgenommen. Periphere Netzhauterkrankungen erzeugen dunkle Schatten, die sich unbehandelt von außen auf das Zentrum hin ausdehnen.

Wann können wir helfen?

Hierzu ein Beispiel: Ein Patient mit der Diagnose „Makula Pucker“ Fältelung der Makula (Netzhautzentrum) stellt sich mit der Behandlungsempfehlung einer auswärtigen Klinik vor. Empfohlen wird eine kombinierte Operation bestehend aus Glaskörperentfernung und Kunstlinsenimplantation. Er bringt Untersuchungsbefunde der Netzhaut mit, die die Fältelung der Netzhautoberfläche deutlich zeigen. Der Patient stellt sich deshalb zur „zweiten Meinung“ vor, weil er im täglichen Leben beim Sehen nicht beeinträchtigt ist. Er möchte wissen, ob er abwarten kann, oder ob die empfohlene Operation medizinisch unbedingt notwendig ist.

OCT (Okuläre Cohärenz-Tomographie): Im Bild links sieht man auf den hinteren Augenpol mit randlich dem Sehnervenkopf. Im Querschnitt (rechte Bildhälfte) findet sich eine membranöse Auflagerung auf der Netzhaut, die die Oberfläche in Falten zieht.

Ich lasse mir im Gespräch nochmals bestätigen, dass keine subjektive Sehstörung besteht, weder beim Lesen noch beim Autofahren. Ich erkläre, dass es sich bei der Diagnose „Pucker“ um einen Wahleingriff handelt, den man in Übereinstimmung mit den Empfehlungen der medizinischen Fachgesellschaft nur dann operativ behandeln sollte, wenn das Sehvermögen reduziert und im täglichen Leben störend ist. Es ist im Interesse des Patienten nicht Befunde sondern Beschwerden zu behandeln, zumal dann, wenn die chirurgische Behandlung Risiken hat. Ich empfehle ihm alternativ zur Operation sein Sehvermögen beim Lesen für jedes Auge getrennt einmal die Woche selber zu prüfen und zusätzlich alle 6 Monate eine Untersuchung der Netzhaut auf Fortschreiten der Fältelung der Netzhaut mit der okulären Kohärenztomographie (OCT) vornehmen zu lassen. Ein Jahr später stellt sich der Patient mit unverändertem Netzhautbefund und weiterhin vollem Sehvermögen vor. Er ist dankbar, dass er durch das Einholen einer zweiten Meinung eine Augenoperation (bisher) vermeiden konnte.

OCT (Okuläre Cohärenz-Tomographie): Ein Jahr später ohne Behandlung keine Verschlechterung des Befundes.

Was sind übliche Symptome?

  • Unscharfes, oder verzerrtes Sehen
  • Schlierensehen (schwimmen um den Fixierpunkt herum)
  • Fleckensehen (grau oder schwarz)
  • Schattensehen (von außen nach innen fortschreitend)
  • Lichtblitze besonders in der Dunkelheit zu erkennen
  • keine Schmerzen

Fallstricke

Erkrankungen bei denen Zweitmeinungen helfen sind sogenannte „Wahleingriffe“. Das heißt man kann sie machen, medizinisch notwendig sind sie nicht. Das heißt, man verpasst auch nichts unwiederbringlich, wenn man zuwartet. Es gilt dann abzuwägen wie groß der Leidensdruck ist, und wie hoch die Risiken des chirurgischen Eingriffs sind. Das gelingt am besten im Gespräch. Als Richtlinie gilt: Für eine Operation spricht, wenn das Sehen mit beiden Augen zusammen (Alltagssituation) beeinträchtigt ist. Wir sehen mit unseren beiden Augen oftmals unterschiedlich intensiv. Wenn das führende Auge betroffen ist, dann ist der Leidensdruck eher gegeben. Umgekehrt bedeutet eine Operation für die Lebensqualität wenig, wenn das Sehen eines Auges zwar herabgesetzt ist, die Sehminderung aber beidäugig – im Alltag – gar nicht stört. Krankheiten, wo diese Überlegungen eine Rolle spielen sind zum Beispiel der Pucker, oder das vitreo-makuläre Traktionssyndrom. Sie verursachen unscharfes und verzerrtes Sehen.

Unser Experte für Netzhauterkrankungen

Bernd Kirchhof

Spezialist für Netzhaut- und Glaskörperchirurgie